TEIL 3: DER PREIS DER EHRE

„Ich weiß genau, wer Sie sind“, sagte Grace, und ihre Stimme zitterte nicht mehr. „Aber das gibt Ihnen nicht das Recht, jemanden zu verletzen.“

Vivian Whitmore lief rot an vor Zorn. Sie riss ihr Handgelenk aus Graces Griff. „Du ungebildete, wertlose Person! Morgen wirst du keinen Job mehr in dieser Stadt haben! Marcus! Schmeiß diese Schlampe raus! Sofort!“

Marcus, der Bankettleiter, eilte bleich herbei. „Es tut mir unendlich leid, Frau Whitmore. Grace, ab in den Pausenraum! Du bist gefeuert!“

Grace senkte den Kopf. Sie wusste, was das bedeutete. Kein Geld. Keine Medikamente für ihre Mutter. Die Tränen schossen ihr in die Augen, als sie sich umdrehte, um zu gehen.

„Sie bleibt genau hier“, schnitt eine tiefe, eisige Stimme durch den Raum.

Aus dem Schatten der Marmorsäule trat ein Mann. Er war groß, trug einen perfekt sitzenden schwarzen Maßanzug, und die Aura, die ihn umgab, ließ die mächtigsten Männer im Raum augenblicklich zurückweichen.

Dominic DeLuca.

Vivian schluckte schluckaufartig. „Herr DeLuca… diese Kellnerin hat mich angegriffen…“

Dominic ignorierte Vivian völlig. Er ging direkt an ihr vorbei und kniete sich vor dem Rollstuhl nieder. Seine harten Züge wurden weich, als er die Hand der älteren Frau nahm. „Geht es dir gut, Mama?“

„Mir geht es gut, mein Sohn“, antwortete Margaret leise und blickte zu Grace. „Aber dieses tapfere Mädchen hat mich beschützt, als alle anderen wegsahst.“

Dominic stand langsam auf. Als er sich umdrehte und Vivian ansah, schien die Temperatur im Ballsaal unter den Gefrierpunkt zu sinken. Seine dunklen Augen waren voller tödlicher Ruhe.

See also  **Der Untergang der Morrisons**

„Frau Whitmore“, sagte Dominic leise, doch jedes Wort traf wie ein Hammerschlag. „Das Kleid, das Sie tragen, kostet zehntausend Dollar. Ab morgen gehört Ihr gesamtes Immobilienunternehmen mir. Sie sind bankrott. Und wenn Sie es jemals wieder wagen, meine Mutter anzusehen, wird kein Kleid der Welt Sie retten. Verschwinden Sie.“

Vivian zitterte am ganzen Körper. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte sie sich um und rannte praktisch aus dem Ballsaal, gefolgt von den entsetzten Blicken der Gäste.

Dominic wandte sich nun Marcus zu, der schweißgebadet dastand. „Wie hoch ist das Budget dieses Hotels?“

„Z-Zweiundzwanzig Millionen, Herr DeLuca“, stammelte Marcus.

„Ich kaufe es morgen früh“, sagte Dominic kühl. „Und Ihre erste Aufgabe als mein Angestellter wird es sein, Ihren eigenen Schreibtisch zu räumen. Sie sind entlassen.“

Dann ging Dominic auf Grace zu. Sie stand starr vor Angst da. Sie wusste, wer er war. Doch Dominic tat etwas, das niemand in Chicago je von ihm gesehen hatte. Er verneigte sich leicht vor ihr.

„Sie haben Ihre Existenz aufs Spiel gesetzt, um eine Frau zu verteidigen, die Sie nicht einmal kannten“, sagte er leise. „Die DeLuca-Familie vergisst niemals eine Schuld.“

Er zog eine elegante Visitenkarte aus seiner Tasche und reichte sie ihr. „Morgen wird der beste Chefarzt des Saint Catherine’s Medical Center die Behandlung Ihrer Mutter übernehmen. Alle Rechnungen sind bereits bezahlt. Ihr Bruder wird die beste Universität besuchen. Und Sie, Grace Miller, werden nie wieder ein Tablett tragen müssen.“

Grace starrte auf die Karte, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Der unerträgliche Druck, der monatelang auf ihren Schultern gelastet hatte, verschwand in einer einzigen Sekunde.

See also  El camino menos transitado

„Danke“, flüsterte sie mit erstickter Stimme.

Margaret DeLuca lächelte ihr vom Rollstuhl aus warm zu. „Nein, mein Kind. Wir danken dir.“

Dominic bot seiner Mutter den Arm und rollte sie langsam aus dem Ballsaal. Die Menge teilte sich in absoluter Ehrfurcht. Grace blickte auf die Karte in ihrer Hand. Sie hatte nur eine wehrlose Frau schützen wollen, aber in dieser Nacht hatte sie das Herz des gefährlichsten Mannes von Chicago gerettet.

THE END

Related Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2026 cuanhua-loithep | All rights reserved