Salvatore Mancini war kein Mann der großen Worte, aber in dieser Nacht, während der Regen gegen die Scheiben seines gepanzerten Wagens peitschte, gab er das einzige Versprechen, das er jemals abgeben würde: „Wenn du eine Familie willst, dann wirst du meine bekommen. Aber wisse, was das bedeutet. Mein Leben ist ein Schlachtfeld, und jeder, der an meiner Seite steht, wird zum Ziel.“
Lilly sah ihn an. Sie sah nicht den Mörder oder den gefürchteten Don. Sie sah den Mann, dessen Leben sie gerettet hatte – das einzige Leben, das sie je berührt hatte, ohne dass man sie dafür bestrafen wollte. „Ich kenne das Schlachtfeld“, antwortete sie leise. „Ich wurde darin großgezogen.“
In den folgenden Tagen geschah das Undenkbare. Salvatore tat das, wofür sein Name in der Unterwelt normalerweise den Tod bedeutet hätte: Er begann, sein Imperium umzugestalten. Er kündigte Verträge mit Partnern, die er für skrupellos hielt, schloss Waffenfabriken, die keinen Nutzen mehr für seine „Familie“ hatten, und stellte alles, was er über Jahre aufgebaut hatte, unter den Schutz des Mädchens, das er freigekauft hatte.
Für seine Feinde war das ein Zeichen von Schwäche. Doch für Salvatore war es eine Reinigung.
Doch dann kam der Abend, an dem das Imperium beben sollte. Die Männer, die sie auf der Auktion hatten ersteigern wollen, hatten nicht vergessen. Sie sahen Salvatore nicht als ihren Anführer, sondern als einen Verräter, der ein „Viehstück“ zur Königin erhoben hatte. Als Salvatore zu einem wichtigen Treffen in den Hafen gerufen wurde, wusste Lilly, dass es eine Falle war.
Sie handelte, ohne zu zögern. Sie wusste, welche Logistik er benutzte, welche Wege seine Männer nahmen. Sie nutzte das Wissen, das ihr ihre Stiefmutter jahrelang durch Vernachlässigung beigebracht hatte – das Wissen, wie man überlebt, wenn man unterschätzt wird. Sie rief Miguels Männer zusammen – jene, die Salvatore am treuesten ergeben waren – und gab Befehle, die selbst die härtesten Soldaten erstaunen ließen.
Als Salvatore im Hafen von Kugelhagel empfangen wurde, war es Lilly, die ihn von einem Hinterhalt bewahrte, indem sie die Stromversorgung des gesamten Hafengebiets kappte und die Angreifer im Dunkeln ließ.
Als er zurückkehrte, fand er Lilly in seinem Büro sitzen. Das Anwesen war verwüstet, die Spuren des Angriffs überall sichtbar. Salvatore trat auf sie zu, seine Kleidung voller Ruß und Blut, doch seine Augen brannten vor einer neuen Art von Feuer. Er kniete sich vor sie – ein Anblick, der jeden seiner Untergebenen vor Ehrfurcht erstarren ließ.
„Du hast nicht nur mein Leben gerettet, Lilly“, flüsterte er und nahm ihre Hand. „Du hast mein Imperium niedergebrannt, damit wir auf der Asche etwas aufbauen können, das kein Geld der Welt kaufen kann.“
Er nahm einen Ring aus seiner Tasche – kein wertloses Platin wie bei anderen, sondern ein Siegelring, der die Autorität über seine gesamte Organisation trug. „Willst du diese Familie wirklich? Nicht als Gast, sondern als meine Frau, als mein Herz?“
Lilly wusste, dass sie ab diesem Moment niemals mehr ein normales Leben führen würde. Aber als sie ihn ansah, begriff sie: Sie war nicht mehr das Mädchen, das verkauft wurde. Sie war die Frau, die den Mafia-König gezähmt und das Imperium zu seinen Füßen neu geformt hatte.
Sie legte ihre Hand in seine. „Ich will nicht nur Familie, Sal. Ich will an deiner Seite herrschen.“
Die Unterwelt von Italien würde für immer erzittern, denn die Ära von Salvatore Mancini war vorbei. Die Ära von Sal und Lilly hatte gerade erst begonnen.
THE END
